Page 50 - German Council Magazin 01.2025
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GERMAN COUNCIL . STADT UND HANDEL


        Rolle des Einzelhandels in der Stadtentwicklung.   nen nicht die  Lösung sein. Stattdessen müssen
        Wir müssen uns bewusst machen, wie wir den   wir Städte so gestalten, dass sie den Menschen
        öffentlichen Raum nutzen möchten. Widmen wir   dienen und ein angenehmes Lebensumfeld bie-
        den Großteil des Platzes dem Autoverkehr, oder   ten. Der Einzelhandel ist nicht nur ein Spiegelbild
        setzen wir auf eine Stadtgestaltung, die den Men-  der Gesellschaft, sondern gestaltet sie aktiv mit.
        schen Vorrang gibt? Diese Frage ist zentral für   Der klassische Einkauf hat sich stark gewandelt:
        die Zukunft unserer Innenstädte. Der Einzelhan-  Während gezielte Käufe zunehmend online erfol-
        del,  zusammen  mit  Gastronomie,  Kultur  und   gen, bleibt der stationäre Handel für Impulskäu-
        Unterhaltung, kann einen erheblichen Beitrag   fe, Inspiration, soziale Interaktion und Erlebnisse
        dazu leisten, urbane Räume lebenswerter zu ge-  von großer Bedeutung. Daraus ergeben sich neue
        stalten.                                  Anforderungen an das Ladengeschäft. Dieses
                                                  muss mehr sein als ein reiner Verkaufsraum.
        UMDENKEN IN DER STADTPLANUNG              Marken müssen ihre Identität und Werte in ei-
                                                  nem physischen Umfeld erlebbar machen. Stores
        Die Idee der 15-Minuten-Stadt setzt sich zuneh-  werden zunehmend zu Markenbotschaftern, die
        mend durch. Sie fordert, dass alle wichtigen Ein-  Kunden durch Atmosphäre, Storytelling und In-
        richtungen des täglichen Lebens – vom Einzel-  teraktion in ihren Bann ziehen.
        handel über Büros bis hin zu Freizeitangeboten –
        innerhalb eines kurzen Zeitrahmens erreichbar   FLEXIBILITÄT IST ESSENZIELL
        sind. Dies erfordert ein Umdenken in der Stadt-
        planung. Mehr Straßen und mehr Verkehr kön-  Die Zeiten, in denen ein Konzept entwickelt und
                                                  über Jahre hinweg unverändert ausgerollt wurde,
                                                  sind endgültig vorbei. Heute ist es essenziell, fle-
                                                  xibel zu bleiben und auf lokale Gegebenheiten
                                                  sowie gesellschaftliche Trends zu reagieren. Ein
                                              © Schwitzke Gruppe (2)  Beispiel hierfür ist Aesop: Jede Filiale ist indivi-

                                                  duell gestaltet und passt sich dem lokalen Umfeld
                                                  an, bleibt aber dennoch als Teil der Marke er-
                                                  kennbar. Diese Herangehensweise erlaubt, ein-
                                                  zigartig und relevant zu bleiben. Oft wird die
                                                  Rolle von Einkaufszentren als Frequenzbringer
          David Schwitzke   Lukas Schwitzke       überschätzt. Die Dubai Mall wird beispielsweise
                                                  als  Erfolgsmodell  betrachtet,  doch  in  Wahrheit
           Generationswechsel in der              zieht eher der Burj Khalifa mitsamt der Fountain
           Unternehmensgruppe                     und dem Aquarium die Touristen an. Die Mall
           Die Schwitzke Gruppe gibt einen wichtigen Schritt   profitiert von diesem Besucherstrom, aber sie ist
           in ihrer Zukunftsstrategie bekannt: Seit März über-  nicht der ausschlaggebende Grund für den Be-
           nehmen die  Cousins  David  und Lukas Schwitzke   such der Stadt. In Deutschland haben Shopping-
           die gemeinsame Geschäftsführung von Schwitzke   Malls sogar oft negative Auswirkungen auf die
           & Partner und folgen damit auf Tina Jokisch und   Innenstädte. Das Centro Oberhausen etwa hat
           Marie Dorenz, die das Unternehmen zuvor ge-  viele umliegende Stadtzentren wirtschaftlich aus-
           meinsam als Geschäftsführerinnen geleitet haben.  gehöhlt. Der Trend geht jedoch dahin, diese Feh-
                                                  ler zu korrigieren und den Fokus wieder auf le-



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